1910 - 1911

Bereits 1910, also 1 Jahr vor der Vereinsgründung, war die Geburtsstunde des organisierten Reit- und Pferdesports im Odenwald, als im Rahmen des Erbacher Wiesenmarktes erstmals Pferderennen durchgeführt wurden.

 

Damals schrieb die Stadt als Veranstalterin ein „Landwirtschaftliches Trabreiten" (Abb.1a-c) aus. Zugelassen waren nur von Landwirten des Kreises Erbach gezüchtete oder in deren Besitz befindliche Pferde. Unter dem hohen Protektorate Sr. Erl. des Grafen Georg Albrecht zu Erbach-Erbach beteiligten sich am 25. Juli 1910 29 Reiter in vier Läufen. Die Bahn hatte eine ungefähre Länge von 1200 Metern und befand sich auf der oberen Seewiese, die an den Wiesenmarkt-Festplatz angrenzte. Man hatte mit dieser Reitsportveranstaltung dem bislang ziemlich eintönig verlaufenden Montag als 2. Markttag einen besseren Besuch sichern wollen. Welche Bedeutung die Pferdesportlichen Veranstaltungen in Verbindung mit dem Wiesenmarkt erlangen würden, war damals sicherlich nicht vorauszusehen.

Diese erste Reitveranstaltung war offensichtlich sehr erfolgreich. Denn nur wenige Monate später kam es dann schon zur Gründung des ersten Reitervereins. In dem handschriftlich geführten Protokollbuch des Vereins wurde als erste Niederschrift (Abb. 2) folgendes festgehalten: In der Beilage zum Central Anzeiger für den Odenwald Nr. 57 v. 16. Mai 1911 findet sich unter der Rubrik „Lokale und vermischte Nachrichten" folgende Berichterstattung: (Odenwälder Reiterverein und Eulbacher Markt-Pferderennen.) „Bekanntlich hat sich im Jahre 1910 unter dem Protektorat Sr. Erlaucht des Grafen Georg Albrecht zu Erbach-Erbach in Erbach eine Vereinigung gebildet, die sich die Aufgabe gestellt, dem weithin berühmten, mehr als 100 Jahre alten Odenwälder Volksfest, dem Eulbacher Markt, durch Angliederung eines landwirtschaftlichen Pferderennens noch eine weitere Anziehungskraft zu verleihen, gleichzeitig aber auch dadurch zur Hebung der Pferdezucht im Odenwalde mit beizutragen. Die Vereinigung hat nun den Namen „Odenwälder Reiterverein zu Erbach i.O." angenommen. Eintragung ins Vereinsregister wird erfolgen. Der Jahresbeitrag ist auf 1 Mark festgesetzt. Durch diesen niedrigen Mitgliederbeitrag schon dürfte es dem Odenwälder Reiterverein nicht schwer fallen, eine große Mitgliederzahl aufzubringen. Das ist auch sehr wichtig. Denn da der Hauptzweck volkstümliche Belustigung sein soll, muß das Unternehmen auf breitester Grundlage aufgebaut sein. Alle Pferdezüchter, -besitzer und -liebhaber, die gedienten Kaval-leristen, jeden Freund volkstümlicher Veranstaltungen hoffen wir als Mitglieder begrüßen zu dürfen. ... Wer im Jahre 1911 eintritt, hat außer dem Jahresbeitrag von 1 Mk. ein besonderes Eintrittsgeld nicht zu zahlen. Frisch auf denn und hinein: in den Odenwälder Reiterverein! - Was nun das Eulbacher Markt-Pferderennen selbst anbetrifft, so wird es, wie im Vorjahre, satzungsgemäß am Montag des Eulbacher Marktes, dieses Jahr also am 24. Juli stattfinden."

 

Der Central Anzeiger berichtete am 25. Juli 1911 über diese Veranstaltung: „Das Eulbacher Markt-Rennen des Odenwälder Reitervereins Veranstalter des Rennens war diesmal nicht die Stadt Erbach, sondern der neugegründete rührige „Odenwälder Reiterverein E.V.", der es in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits auf 130 Mitglieder gebracht hat und dessen Vorsitzender Herr Bürgermeister Stegmüller ist.

 

Von besonderer, ausschlaggebender Bedeutung für die überaus beifällige Aufnahme, die das Rennen diesmal beim Publikum gefunden hat, war die Anfügung eines Galoppreitens und die Gliederung des ganzen Reitens in 10 verschiedene Läufe. Mag auch das Trabreiten - wie es voriges Jahr ausschließlich stattfand - dem Kenner und Sachverständigen der Rennbahn das interessantere, weil zweifellos technisch schwierigere sein, der Laie, und das ist das große Publikum, hat einen ungleich größeren Genuß beim Galoppieren. Hier kommt das aufregende Moment, das - wir wollen es nicht verschweigen - auch ein klein wenig ins Gefährliche inkliniert, hinzu, um die Zuschauermenge in jene angeregte Spannung zu versetzen, die den Keim des Beifalles schon in sich trägt.

 

Ein weiteres Interesse erweckten auch der Züchter-Lauf, der Außer- Konkurrenz-Lauf und die beiden Ehrenpreisläufe um die Ehrenpreise Sr. Erl. des Grafen zu Erbach-Erbach und Sr. Erl. Grafen Konrad zu Erbach-Erbach. Das eigentliche Rennen bestand in je 3 Trab- und 3 Galopp-Läufen...

Die Einleitung zum Rennen bildete ein gemeinsamer Ritt der konkurrierenden Reiter, denen sich noch viele von hier und der Umgebung als Begleitung angeschlossen hatten, vom Bahnhof durch die Straßen der Stadt zum Festplatz. Geführt wurde die stattliche Reiterschar durch den eifrigen und nimmermüden Förderer unseres diesmaligen Rennens, Herrn Reg.-Ass. Dr. Siegert, dem die Erbacher Stadt-Kapelle voranschritt.

 

Auch drei Reiter in Odenwälder Tracht mit unserer alten Stadtfahne waren im Zuge vertreten. Auf dem Rennplatze angelangt, hielt Herr Dr. Siegert eine begeisterte Ansprache an die Reiter, in der er den Reitsport als den schönsten von allen pries und dem Rennen glücklichen Verlauf wünschte Erl.Graf Konrad feierte hierauf mit warmen Worten Herrn Dr. Siegert, worauf zunächst ein Abreiten der Strecke stattfand. Mittlerweile war die Zuschauermenge, die die Rennstrecke ringsum besetzt hielt, immer mehr angewachsen und belief sich sicher auf viele Tausende. Auch die erlauchten Gräflichen Herrschaften wohnten mit den durchlauchten Prinzen Stolberg und Begleitung dem interessanten Schauspiel auf besonderer Tribüne teil.

 

Punkt 2 Uhr begann das Rennen, das mit einer kurzen Pause zwischen Trab- und Galopprennen gegen 4 Uhr sein Ende fand. Alle Läufe wurden mit größter Spannung verfolgt und die Sieger stets am Ziel mit hellem Jubel begrüßt. Trotz der furchtbaren Sonnenglut hielten die gewaltigen Zuschauermassen bis zum Schlusse aus und wohnten auch noch später der Preisverteilung bei, die um 6 Uhr auf der Schiedsrichtertribüne von Herrn Kreisrat Freiherrn von Starck vorgenommen wurde. ...

 

Die sämtlichen Rennen verliefen ohne jeden Unfall und die Entscheidung des Preisgerichts fanden die völlige Zufriedenheit aller Beteiligten.

 

Der „Odenwälder Reiterverein" kann mit dem Verlaufe der ganzen Veranstaltung, die namentlich den Vorstandsmitgliedern viel Mühe und Arbeit aufgebürdet hatte, deren sie sich aber gerne und freudig unterzogen, wohl zufrieden sein darf mit Lust und Liebe alsbald an seinen weiteren inneren Ausbau und an die Vorbereitungen für das nächste Rennen herantreten. Hierzu rufen wir Ihm jetzt schon ein herzliches „Glück auf!" zu. E.F."

Ein Bilddokument aus dem Jahre 1911: Es zeigt die erfolgreichen Reiter und Pferdebesitzer nach dem Eulbacher Markt-Rennen mit gewonnen Ehrenpreisen sowie weiteren Mitgliedern des neu gegründeten Odenwälder Reitervereis. Hinten auf den Pferden (v.l.n.r): Wilhelm Hübner, Sieger im 2. Lauf Trab-Rennen sowie Sieger im Züchter-Lauf auf Paula (Bes. Karl Hübner II); Johann Küchler Sieger im 1. Lauf Galopp-Rennen sowie Sieger im Ehrenpreis-Lauf Galopp auf Elka (Bes.: Wilh. Küchler); Eugen Haug, Sieger im Außer-Konkurrenz-Rennen auf Bubi (Bes.: Gräfin Arthur zu Erbach) sowie Zweiter im 3. Lauf Trab-Rennen mit Bella (Bes. Hofmetzger Glenz). Außerdem sind auf dem Foto: Nikolaus Unger, Jean Walther, Ferdinand Schmidt, Briefträger Abbé, Karl Küchler, Gottfried Küchler, Karl Unger, Wilhelm Küchler, Ludwig Kumpf, Otto Mohn, Bickelhaupt, Zahnarzt Volk, Martin Köhler und Daniel Egner.

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Dressurlehrgang

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Fahrtraining

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